Live e-Learning im virtuellen Klassenzimmer
Wann ist der Einsatz von Echtzeit-Lerntechnologien sinnvoll?
"Lehren und Lernen im virtuellen Echtzeit-Klassenzimmer spart Zeit und Geld". Dies ist einer der häufigsten Gründe für den Einsatz derartiger Lerntechnologien. In der Praxis greift diese Aussage zu kurz, denn die Zeit- und Kosteneinsparung rechnet sich nicht, wenn sich der Lernerfolg nicht einstellt und der Lernprozess nicht unterstützt wird. Wann also ist es wirklich sinnvoll, Live e-Learning im virtuellen Klassenzimmer einzusetzen? Um diese Frage zu beantworten, sind ein pragmatischer Blickwinkel einerseits und ein didaktischer Blickwinkel andererseits hilfreich.
Vom pragmatischen Standpunkt aus hat der Einsatz von virtuellen Echtzeit-Lerntechnologien vor allem wirtschaftliche Gründe:
- Es ist ein simples Rechenbeispiel, dass Live e-Learning im Vergleich zu Präsenzseminaren Reisekosten spart. Dies betrifft die direkten Reisekosten wie Bahnfahrkarten und Hotelübernachtungen, aber auch die indirekten Reisekosten, die durch Reisezeiten entstehen.
- Trainings können schneller zur Verfügung gestellt werden. So können z.B. Vertriebsmitarbeiter rasch auf den neuesten Stand der Produktentwicklung gebracht werden, ohne dass sie ihren Vertriebsbereich verlassen müssen.
- Durch Live e-Learning können in kurzer Zeit viele Lernende an verschiedenen Standorten erreicht werden.
- Die Abwesendheit vom Arbeitsplatz wird durch Live e-Learning auf die reine Trainingszeit reduziert.
- Im Vergleich zum Lernen mit asynchronen Medien wie Lernheften, CDs, etc. ist die Quote der Kursabbrecher erfahrungsgemäß deutlich geringer.
Trotzdem ist der Einsatz von Live e-Learning häufig nicht erfolgreich. Die Praxis hat gezeigt, dass die Gründe für den Misserfolg oft darin liegen, dass Lernszenarien in virtuelle Echtzeit-Klassenzimmer gelegt werden, die besser im Präsenztraining oder in asynchronen Lernumgebungen angesiedelt wären. Damit das Medium Live e-Learning den gewünschten Nutzen bringt, müssen auch didaktische Gründe berücksichtigt werden:
- Ein effektiver Lernprozess erfordert Echtzeitinteraktionen zwischen den Lernenden und dem Online-Trainer.
- Der Lerninhalt wird sehr anschaulich durch erläuterte Visualisierung und weniger durch das geschriebene Wort vermittelt.
- Das Lernszenario beinhaltet Online-Vorführungen wie zum Beispiel die Demonstration von Software-Funktionen und das Üben mit diesen Funktionen.
- Die Teilnehmer tauschen sich untereinander aus, arbeiten miteinander und lernen voneinander.
- Durch aktive Einbindung der im Training anwesenden Teilnehmer kann auf intensive persönliche Kontakte, die eine Beobachtung der Körpersprache möglich machen, verzichtet werden.
Fazit: Erfolgreiches Live e-Learning setzt voraus, dass nicht nur pragmatische Gründe für den Einsatz virtueller Echtzeit-Klassenzimmer, sondern dass auch didaktische Gründe vorhanden sind. Ist dies nicht der Fall, sollte man sich überlegen, ob nicht ein Präsenzseminar oder eine asynchroner Fernkurs geeigneter sind. Hat man sich nach Abwägen vorgenannter Ansätze jedoch für den Einsatz von Live e-Learning als alleiniges Lernszenario oder im Mix mit anderen Medien entschieden, ist der Online-Trainer gefordert. Seine Aufgabe ist vor allem, das Training so zu gestalten, dass der Nutzen für die Teilnehmer tatsächlich realisiert werden kann.